Franz Burkardt


Sven Fritz

VERPFLANZUNG

Eröffnung | Opening: Freitag, 04. Juni 2010, 19 Uhr

Ausstellung | Exhibition: 05. Juni bis 31. Juli 2010



Ausstellungstext
Sven Fritz Unlängst wurde die aktuelle Malerei als 'neben sich' stehend beschrieben. Sollte 
diese Einschätzung zutreffen, ginge sie durchaus zumindest mit unserem zeitweiligen 
Empfinden von Wirklichkeit konform. Dies hat wohl sicherlich etwas mit dem Verlust von 
Gewissheiten zu tun. Nichtsdestoweniger bewegen wir uns mit diesem Verlust in einer 
neuen Dimension von Erfahrung, offen gegenüber Dingen, die zuvor vielleicht weniger 
zugänglich waren. Inwieweit die neueren und neusten Arbeiten des 1976 geborenen 
Sven Fritz diese mokante These entweder belegen oder dementieren können, ließe sich 
gegebenenfalls anhand seiner zweiten Einzelausstellung in den Räumen der Galerie 
überprüfen. Die zumeist kleinformatigen Gemälde und Collagen werden darin durch einen 
größeren Tintenstrahldruck ergänzt. Auf den ersten Blick suggerieren diese Bilder den 
Eindruck suchend reduzierter Gesten, die mitunter auf die anekdotische Fährte ihrer eigenen 
Herstellung verweisen. Sie künden von einer Haltung, die danach trachtet, mit dem 
auszukommen, was gerade zur Hand ist. Dabei flottieren die Zeichen-Gegenstände und 
abstrakten Bildfiguren denkbar frei, erstreben eine wenn auch fragile spannungsgeladene 
Balance weit eher als eine bestimmende Dominanz.
 
Mit dem Ausstellungstitel 'Verpflanzung' öffnet Sven Fritz, der im vergangenen Jahr sein 
Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Thomas Grünfeld abschloss, 
ein breites Spektrum an Assoziationsfeldern. Am offensichtlichsten vielleicht in den Collagen, 
ergeben sich durch das Zusammenfügen farbiger ‚Reststücke’ und ausgeschnittener Papier-
schablonen überraschend neue formale und inhaltliche Ordnungen. Kontingenzen und 
das Nichtgeplante sollen Verwendung finden und den Spielraum der Möglichkeiten erweitern. 
Einem Sampling in der Musik vergleichbar, unterzieht Sven Fritz das disparate Ausgangs-
material einem ‚Copy and Paste’-Verfahren und erzielt mit diesem zweistufigen Prinzip der 
Übertragung entwaffnend einfache, jedoch dynamisch komplexe Gebilde mit durchaus 
lyrisch-poetischen Komponenten. Nicht zuletzt die prägnanten Titel der jeweiligen Arbeiten 
evozieren eine vom Klang - oder besser Zusammenklang - geprägte Erscheinungsweise 
und unterstreichen den lakonischen, von dekonstruktiver Skepsis begleiteten Umgang mit 
ästhetischen Traditionen.
 
Die formalen Gefüge von Sven Fritz erfüllen das Postulat, ein Bild bis an den Rand zu denken 
und verfügen über keinen anderen Existenzgrund als den, der Empfindung, der es Vorschub 
leistet, Unterkunft zugewähren. Hierzu können mitunter die Begleitumstände des Malens als 
Schlieren, Verwischungen und Verläufe mithilfe des Computers als künstlich aufgeladene 
Vergrößerungen ein raffiniert verstörendes Wechselspiel zwischen analogen und digitalen 
Prozessen eingehen. Mit seinem Einsatz einer hierarchielosen Kombinatorik, selbst in den 
großformatigen Computerausdrucken, zielt der Künstler auf Fragen, die von den Rändern 
oder der Peripherie aus aufgeworfen werden. Sie betreffen jedoch immer den Kern der 
Sache, sie zielen auf das Zentrum und meinen Wesentliches.
 
Radikal in der Haltung und konsequent in der Ausführung bei der Befragung des Bildbegriffs 
weiß Sven Fritz dennoch um die vielfach verschlungenen Bezüge zur Welt außerhalb der 
ästhetischen Autonomie der Kunst und siedelt seine experimentierfreudigen Arbeiten daher 
bewusst in dieser ambivalenten Übergangszone an. Erscheinen sie zugleich rationalisierend, 
systematisierend und objektiv, sind sie dennoch nie frei von Subjektivität. Reich und 
komplex, lebendig und vielfältig kommunizieren dieso gefügten Farbgestalten untereinander 
und kommen gleichsam dem Betrachter entgegen. Typisch für Fritzens Werk entsteht so 
eine vielschichtige Dialektik. Bildform und Rahmen, Fläche, Raum und die Leerstellen da-
zwischen gehören unlösbar zusammen. Die Vielfalt, die keiner festen Ordnung folgt, deren 
Konstruktion aber nachvollziehbar und ablesbar bleibt, verleiht dem Gebilde Schönheit und 
Leichtigkeit, fern jeder Abbildfunktion von Kunst.
 
Beispielhaft steht diese Arbeit für den lustbetonten,spielerischen und mit Humor versehenen 
Umgang des Künstlers mit den Parametern der ungegenständlichen, nicht repräsentierenden 
Kunst. Sie kann als Überprüfung der Einsatzgebiete von Formen, Farben, Linien, Licht, Raum 
und Material angesehen werden. Fritz analysiert in seinen Arbeiten auf sehr differenzierte 
Weise vornehmlich gemischte Zustände, Gefüge und Verkettungen, nicht die Abstraktion als 
solche. Damit einher formuliert sich die Forderung, dass das Auge nicht bei den Dingen 
verharrt, sondern sich zu den Sichtbarkeiten erhebt. Sven Fritz richtet sein Hauptaugenmerk 
daher mehr auf das Entstehen visueller Zustände, was dem prozesshaften und kommunika-
tiven Nachvollzug einen nicht unerheblichen Stellenwert beimisst.

Harald Uhr