Heejung Kang


Heejung kang

Familie

Eröffnung | Opening: Freitag, 30. Oktober 2009, 19 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 31. Oktober bis 23. Dezember 2009


Ausstellungstext
Heejung Kang (*1979, Jejudo/Südkorea) schafft in ihren Installationen rätselhafte Beziehungen zwischen Objekten und Formen, die in einem Schwebezustand zwischen der Repräsentation einer subjektiven und facettenreichen Realität und einer künstlerisch poetischen Abstraktionverharren. So werden Spannungsmomente erzeugt, die zunächst verstören und beunruhigen und mehr Fragen aufwerfen, als Antworten liefern. Im Zentrum ihrer ersten Einzelausstellung steht die Familie, ein intimes Thema, zu welchem sich nahezu jeder in ein Verhältnis setzen kann, da es dabei vornehmlich um Verhältnisse geht. Mit ihrer Wandarbeit "Wärme halten" vermauert die Künstlerin zunächst die Fensterfront der Galerieräume mit selbstgefertigten, semitransparenten Blöcken aus Montageschaum und schafft somit eine heimelig, unheimliche Atmosphäre. In den Räumen entfaltet sich dann ein wucherndes, beziehungsreiches Skulpturenensemble aus vornehmlich fragilen Materialien und Fundstücken, welches die geistige Auseinandersetzung mit Fragen nach der Bedeutung von Familie, Identität, Fremdheit und Erinnerung ins Zentrum des kulturellen Diskurses rückt.
Statt klar geformter Ergebnisse zeigt sie den Weg der Bildproduktion mit seinen Fehlern, Umwegen und Überschüssen. Sie bewegt sich bei der Formbildung zwischen persönlichem Alltag und Kunstwelt, um die Wechselbedingungen und -wirkungen zwischen Privatem und Allgemeinem nachzuzeichnen.
Das Ensemble entwickelt sich nicht linear, sondern in verzweigten und untereinander vernetzten Episoden, es wächst in Zeit und Raum und folgt somit keiner klaren Chronologie. Kang begreift die Welt, die menschlichen Beziehungen, damit vielleicht eine Seelenverwandtschaft mit der Kunst einer Anna Oppermann bekundend, als "Ensembles“, als veränderliche Konstellationen von Wahrnehmung und Reflexion, von Normen, Geschichten, Emotionen und Theorien.Auf den ersten Blickhandelt es sich um rätselhafte Gebilde mit unklarer Formenstruktur. Auf den zweiten Blick erkennt - oder vorsichtiger formuliert, erahnt - man ein komplexes System von bildimmanenten Relationen auf verschiedenen Ebenen. So ist die Form der Ensembles zwar offen und mehrdeutig, doch nach einem bestimmten Ordnungs- und Verweissystem organisiert.
Ihr prozesshaftes Arbeiten, das Reproduzieren, Anbauen und Wiedereinbauen bringt es mit sich, dass dieKomplexität ihrer Arbeiten kein fester, einmal erreichter Zustand ist, sondern sich ständig verändert. Es geht um Be- und Entgrenzung, der Grenze zwischen Innen- und Außenwelt, um die Notwendigkeit einer Grenzziehung, um die Entgrenzung traditioneller Zeichensetzung. Ein fragiles 'Ich', in krakeliger Schrift auf dem Boden montiert, versucht sich im verwobenen Familiengeflecht mühsam zu behaupten und einen Ort für sich zu reklamieren. Das ähnlich rudimentär ausgeschnittene und zwischen zwei Holzbretter eingehängte Wort 'Alkohol' verweist im Gegenzug auf die Entgrenzungsmöglichkeiten eben dieses Ichs. Alles, selbst noch der Umgang mit der Sprache, ist primär Rohstoff für die Erforschung der Form als Transformation physischer und geistiger Existenz.
Daher kennzeichnet die künstlerische Welterfahrung von Kang stets das Einbeziehen von Handlungen und Aktionen. Kunst verändert und transformiert und ist daher als Machen, Tat und Arbeit zu verstehen. Dem Anteil der Hand sowie dem Einsatz körperlicher Energien kommt hierbei eine nicht geringzu achtende Bedeutung zu.
Durch ihre Einbindung in einen raumspezifischen, installativen Kontext lassen sich die zahlreichen Zeichnungen von Heejung Kang als eine ehrlich gemeinte Aufforderung zur Kommunikation und zum persönlichen Austausch ohne zynische Distanz lesen. Mit ihrer Aufwertung des Daseins wirbt Kang für eine intensivierte visuelle Wahrnehmung der Welt, um damit die Grenzen der menschlichen Bedingtheit weiter hinauszuschieben und den Raum der menschlichen Freiheit zu erweitern.
 
Mit ihrer Visualisierungsstrategie, die bewusst auch fehlerhaftes und unvorhersehbares mit einschließt, verweist die Künstlerin auf die Arbeitsweise des menschlichen Bewusstseins, sein ständiges Schwanken und Driften zwischen Verengung und Erweiterung, sein Murmeln von Texten und Subtexten. Die installativen Improvisationen von Heejung Kang sind gleichsam organische und belebte Skulpturen, die von den Möglichkeitsformen des Lebens selbst erzählen. Gelebte Zeit, Erinnerungen an ferne und nahe Orte sowie beiläufige Augenblicke finden Einzug in diesen pulsierenden Raumkörper. Er steht bereit zum osmotischen Austausch mit denjenigen, die sich auf das spannende Wagnis der Ich-Erkundung einlassen und bietet seine versteckten Geheimnisse jedem, der im Gegenzug seine Phantasie einbringt.
Es sind nicht die finalen Setzungen, die die Künstlerin vordringlich interessieren. Daher erinnern ihre Arbeit auch viel eher an Baustellen und Architekturen auf Zeit. Es handelt sich hierbei um lesbare Orte, Orte, die Relationen aufzeigen, Energien und Utopien verhandeln. Heejung Kang hat Übersetzungen dieser Orte und Räume im Übergang entwickelt. In ihren konkret auf den jeweiligen Ausstellungsraum bezogenen Installationen gelingt es der Künstlerin, hinter der vermeintlich vertrauten, vorgefundenen Realität eine andere, zweite Wirklichkeit aufscheinen zu lassen. Mit ihren poetisch-kreativen skulpturalen Raumbesetzungen nähert sich Heejung Kang dem eigentlich relevanten Raum an, dem Beziehungs- und Resonanzraum zwischen den Menschen, für welchen die Familie als Urszene fungieren mag.
 
Harald Uhr
 
english text
  
                                                                                  

Heejung Kang (*1979, Jejudo/SouthKorea) creates puzzling relations of objects and forms, which remain in a state of suspense: they oscillate between the representation of a subjective and amulti-faceted reality on the one hand and an artistically poetic abstraction on the other hand. A suspense factor is aroused, unsettling and disturbing, raising more questions than providing answers. In her first solo exhibition Kang focuses on the family - an intimate theme that almost everybody can relate to, as relationships are the main issue.

In her work "holding warmth" theartist walls up the windows of the gallery with self-made, semi-transparent blocks consisting of polyurethane foam. Kang creates a homelike but eerie atmosphere. In the gallery space a suggestive, rampant ensemble of sculptures primarily made of fragile materials and found objects isset up. It focuses on the intellectual examination and interrogation of the meaning of family, identity, strangeness and memory in the context of a cultural discourse. Instead of clearly shaped results Kang shows the way of image production with its flaws, detours and excess. While shaping and forming she moves between personal daily routine and the art world in order to trace the interdependency of private sphere and the general.                                                                            

The ensemble does not develop linearly but in complex and cross-linked episodes, it grows into time and space and therefore does not follow any clear chronology. Kang considers the world, human relationships (thereby somehow declaring a spiritual kinship with the artof Anna Oppermann) as “ensembles”, as changeable constellations of perceptionand reflexion, of rules, stories, emotions and theories. At first sight one sees enigmatic formations of an unclear structure. Only after a second glance one recognizes - or one rather suspects - a complex system of relations inherent in the images on different levels. Hence the form of the ensembles is open and ambivalent but still organized in a particular classification and reference system.                      

Her processional working method, the reproduction, the installing and reinstalling bring about that the complexity of herworks is no definite, finally accomplished state but one that is constantly changing.  Limitation and delimitation, the bounds of inner and outer world are the subject, the necessarity of ademarcation, the delimitation of traditional signs and symbols.

A fragile 'me', in a spidery writing attached to the floor tries to assert oneself or rather to “hold one's ground” in between the interwoven family network and to find a place, a resort for oneself. In return the word 'alcohol' – similarly cut out in arudimentary manner and mounted between two wooden boards refers to the delimiting possibilities of this 'me'. Everything, even dealing with language, is primarily raw material for the exploration of form as transformation of physical and intellectual existence.Therefore the artistical experience of the environment is characterized by the inclusion of action. Art alters and transforms and is thereby comprehended as doing, acting and working. In this respect the part of the hand as well as the use of physical energy is not to be underestimated. By incorporating various drawings into a space-specific installation context they can be comprehended as an honest call to communication and personal exchange without any cynical distance. With her upvaluation of being Kang promotes an intensified visual perception of the world in order to push forward the limits of a conditional humannature and to amplify the space of human freedom.

                                                                                                                                   

With her visual strategy - aware of errors and unpredictable events - the artist refers to the working method of human consciousness, its constant unsteadiness and drifting in between constriction and amelioration, its murmuring of texts and subtexts. Yet the improvisational installations of Heejung Kang are organic and animated sculptures that recount all possible forms of life itself. Lived time, memories of distant and nearby places as well as incidental moments find its way into this pulsating spatial structure. It is stands by in order to providean osmotic exchange for those who are willing to engage in the enthralling adventure of “self”-exploration and it reveals its mysteries to anybody who brings in his phantasy in return.The artist is not primarily interested in final settings. Hence her works remind the beholder of construction sites rather than temporary architectures. Kang creates readable places, places which point out relations and which debate energies and utopias. Heejung Kang developed a translation of these places and spaces in transition. With her installations referring concretely to the particular exhibition space the artist succeeds in revealing a different, second reality behind the allegedly familiar reality one is used to. By occupying space with poetic-creative sculptural arrangements Heejung Kang approaches the essentially relevant space, the space of relations and resonance between human beings, for which the family might function as primal scenery.


Harald Uhr

 


Manfred Schneider


Manfred Schneider

NOT STRICTLY PLATONIC

Eröffnung | Opening: Freitag, 04. September 2009, 18 – 22 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 05. September bis 24. Oktober 2009

Katalog erhältlich | Catalogue available
Ausstellungstext
Manfred Schneider (*1959 inMünchen) studierte zunächst Architektur in München und war dann 1990 bis 1996Schüler von Ilya Kabakov, Thomas Bayrle und Martin Kippenberger an derFrankfurter Städelschule. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Die Arbeiten des Künstlers bietendem Betrachter spröde und archaische, manchmal drastische und düstere Szenarien, die durch ihren Detailreichtum und ihre Rätselhaftigkeit zum Dechiffrieren geradezu herausfordern, letztendlich aber nicht auflösbar sind. Das kontinuierliche Einbinden von Wörtern und Sätzen begleitet die Bilder wie ein unterschwelliges Stimmengemurmel.
 
Gezeigt werden etwa fünfkleinformatige (75 x 55 cm), zwei mittelformatige (150 x 110 cm) und eine großformatige Zeichnung (200 x 150 cm) aus dem Jahr 2009 in den Techniken Sepiastift bzw. Kohle auf Papier, teilweise mit Lack kombiniert.
 
Im Werk von Manfred Schneiderfinden sich Collagen, großformatige Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen bzw. Installationen und die Materialien Kohle, Lack, Wachs-, Sepia- und Bleistift, Öl, Gips, Eisen, Pappe, Aluminium und Holz. Seit 2008 verwendet ManfredSchneider für seine Zeichnungen zunehmend Sepia und legt sie puristischer, aufgelockerter an. Ein primär konzeptueller Ansatz wird bestimmend für das Œuvre.
 
Das Leitmotiv der Galerieausstellung ist durch drei Varianten von 'Gestellen' vorgegeben, deren Grundkonzept mit der ersten 'Geländer'-Skulptur 1994/1995 noch während des Studiums Eingang in das Werk gefunden hat. Manfred Schneider hat damals diese vage und linear bestimmte Installation gebaut, um eine skulpturale Umsetzung, die nicht zu ausgefeilt und glatt wird, für das zu finden, was man auf denZeichnungen als experimentelle, raumartige Entwürfe entdecken kann.
 
Jetzt sind aus dem kühlen, fast abstrakten 'Geländer' objekthaftere, auf den ersten Blick eindeutiger identifizierbare Installationen der neuen Werkgruppe 'Psychomimetische Gestelle' geworden. Die aus pulverbeschichtetem Stahl hergestellten Werke Inand Out, 100 x 68 x 152 cm; Temporary, 164 x 120 x 202 cm, und Halucomplex, 115 x 98 x 168 cm, stammen sämtlich aus diesem Jahrund haben eine einheitlich graue Außenhaut. Der ungewohnte Begriff„psychomimetisch“ bedeutet für den Künstler die Rolle der Skulpturen,verschiedene psychische Zustände auszudrücken. Durch den überdimensionalen Maßstab und die rohe Ästhetik weichen die als 'Gehhilfen' erkennbaren Werke wieder von ihren realen Vorbildern ab.
 
Einen direkten Bezug zur Installation stellt in erster Linie die Zeichnung Ohne Titel, 75 x 55 cm, her, auf der in markanter und entschiedener Strichlage Gehhilfen und ein Geländer zu einer eigenwilligen Architektur zusammengeschoben wurden. Das Eckige dieses Blattes wird in eine analoge, aber verflüssigte Struktur auf creme, creme, creme (75 x 55 cm) verwandelt, von deren horizontalen Stegen Tropfen sickern. Das obsessive und lautmalerische "creme,creme..." spielt auf die halbfeste Qualität der Farbe an und verbindetsich mit dem wiederholten "male, male..."-Imperativ in den Werken. Es ist ganz typisch für Schneider, dass der Betrachter immer wieder auf alchemistische Spuren einer Transformation von 'toten' Gegenständen durch organische Vorgänge, der Verwandlung von Festem zu Flüssigem stößt, wie auf Wachskopf, 75 x 55 cm, oder Monokino, 75 x 55 cm. Vom kompositorischen Prinzip der Staffelung in die Tiefe her ist das Blatt wie ein Echo auf eine der Gestell-Skizzen. Als weitere Spielart eines angedeuteten, geometrischdefinierten Raums entwirft Manfred Schneider modellhafte Laternen, wie etwa auf Minds and Rooms, 150 x 110 cmoder R1, 75 x 55 cm, zu sehen.
 
Die Reflexion der eigenen Rolle als Künstler und die der Kunst bzw. Malerei taucht als roter Faden kontinuierlich auf. Besonders Heating or Eating, mit200 x 150 cm eine der größten aktuellen Zeichnungen, widmet sich dezidiert dem Topos der Kunst. Von einer Personifikation göttlicher Macht des Paradieses verwiesen, findet die kleine Künstlerfigur sich in ihrer schwierigen materiellen Existenz wie vor einem Abgrund wieder. Bei Schwimmer, 75 x 55 cm, versuchen zwei Figuren in einerabsurden Szene, durch die aus umgekippten Farbtöpfen rinnenden Lache zuschwimmen.
 
Bei den Protagonisten handelt es sich meist um Kinder, geschlechts- und alterslose Wesen, die einzeln oder paarweise auftreten. Sie wenden sich selten dem Betrachter zu, oft verharren sie bewegungslos, gegeneinander gerichtet bzw. in paralleler Anordnung – fast wie zwei personen ein und desselben Subjekts (Monokino, Wachskopf). Sie bedeuten keine individuellen Wesen, sondern sind Variablen für Konzepte von Körperlichkeit, die sich einerseits – bei passiver Haltung – konzentriert und verdichtet, und andererseits expandiert – wenn der Raum durch Einsetzen der Extremitätenerobert wird (Schwimmer, Painter’s Paint, 200 x 150 cm). Während das Verharren der Figuren die Zeit aus den Zeichnungenherauszusaugen scheint, nehmen die in Bewegung begriffenen Wesen sich Raum und auch Zeit. Die Reduktion von Körperlichkeit geht einher mit dem Verlust an Räumlichkeit. Somit kreuzen sich im Gestell konstruierter Raum und symbolisierter Körper und demonstrieren eine fragmentierte, poröse Körperlichkeit, die aber nichts mit einem Krankheitsgeschehen zu tun hat, sondern künstlerische Parameter auslotet.
 
 
Gabriele Wurzel
english text
  
Manfred Schneider (*1959 in Munich) studied architecture before hebecame student of Ilya Kabakov, Thomas Bayrle and Martin Kippenberger at the Städelschule in Frankfurt.
He lives and works in Berlin.
 
Manfred Schneider's works present crude, archaic,sometimes drastic and gloomy scenarios.
By way of their richness of detail and theirmysteriousness they challenge the beholder to decipher it. But at last they areunsolvable. The continuous embedding of words and sentences accompanies theimages like a kind of subliminal mutter of voices.
 
In the exhibition five small-format drawings (75 x 55 cm), two medium-sized (150 x 110 cm) aswell as a large format drawing (200 x 150 cm) from 2009 are presented. Schneider uses sepia orrather coal on paper, partly combined with varnish.
 
The oeuvre is composed of collage, large format drawings, oil paintings and sculptures or rather installations and materials such as coal, varnish, wax, sepia and pencil, oil, plaster, iron, cardboard, aluminum and wood. Since 2008 Manfred Schneider applies sepia increasingly, thus his drawings appear more puristic and dispersed. A primarily conceptual approach becomes constitutive for the whole oeuvre.
 
The leitmotif of the gallery exhibition is given by three alternative 'racks'; its basic concept found its way to the oeuvre with the first 'railing'-sculpture of 1994/1995, when Schneider was still studying. At that time Manfred Schneider built this vague and linear installation, in order to find a sculptural implementation - not too elaborate and not too smooth – for what one finds on his drawings: experimental, spatialdrafts.
 
From this cool, almost abstract 'rack' evolved 'Psychomimetc racks', a new group of works – its installations are more object-like and easier to identify at first sight. The works In and Out, 100 x 68 x 152 cm; Temporary, 164 x 120 x 202 cm, and Halucomplex, 115 x 98 x 168 cm are made of powder-coated steel. They all have a uniform grey outer layer and have all been created this year. To the artist the uncommon term “psychomimentic” means that the sculptures' part is to express different psychic conditions. 
Due to their oversized scale and their raw aesthetics the works which are cognizable as 'walking aids', differ from their realistic prototypes. 
 
The drawing Untitled, 75 x 55 cm, refers directly to the installation. It shows walking aids and a railing that were – by a clear-cut and distinctive line – pushed together to a kind of peculiar architecture. The angular character of the folio is transformed to an analogous but liquefied texture of creme,creme, creme (75 x55 cm). From its horizontal bars trickle little dropsThe obsessive and onomatopoeic "creme, creme..." alludes tothe semi-solid quality of colour and coalesces with the repeated "paint,paint..."-imperative of Schneider's works. It is typical for Schneider that the beholder comes across alchemistic traces again and again. They attest the metamorphosis of 'dead' objects caused by organic processes, the transformationfrom solidity to liquidity, e.g. in Wachskopf, 75 x 55 cm, or Monokino, 75 x 55 cm. Due to its compositional principle of scaling into depth the folio islike an echo to one of the rack-sketches. Manfred Schneider designs exemplary lanterns as a variation of a hinted, geometrical defined space as it can be seen in his works Minds and Rooms, 150 x 110 cm or R1, 75 x 55 cm.
 
Manfred Schneider's reflection of his role as anartist as well as of art or rather painting is a recurrent theme. Especially Heating or Eating, with a size of 200 x 150 one ofthe biggest current drawings, is decidedly dedicated to the topos of art. Thetiny artist-figure who was banished from paradise by a divine impersonation, and whose material existence is at stake finds himself on the brink of ruin. Schwimmer(swimmer), 75 x 55cm, shows two figures in an absurd scene: they swim through a puddle of colour drippingoff tipped over paint-pots.
 
The protagonists are for the most part children, sex- and agelesscreatures who appear in isolation or in pairs. The protagonists rarely turn towards the viewer; they often remain static or they face each other, for instance in a parallel arrangement – almostlike two personae of one and the same subject (Monokino, Wachskopf). They do not represent individualbeings but are variables for concepts of physicalness - either concentrating (ina passive posture) or expanding (when space is conquered by the use ofextremities) (Schwimmer, Painter’sPaint, 200 x 150cm). While the remaining of the figures seems to sucktime out of the drawings, the moving creatures take their space as well as theirtime. The reduction of physicalness goes along with the loss of spatiality. Hence constructed space and symbolized body keep crossing in a rack anddemonstrate a fragmented, porous physicalness, which has nothing to do with an illness but which explores artistic parameters.
 
 

 

Gabriele Wurzel

 

Timo Behn, Christian Berg, Kerstin Fischer


Vincent Michéa

J`AI DEUX AMOURS

Eröffnung | Opening: Freitag, 19. Juni 2009, 19 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 20. Juni bis 30. Juli 2009
Ausstellungstext
Vincent Michéa Seinen beiden großen Lieben huldigt der französischeKünstler Vincent Michéa in seiner zweiten Einzelausstellung in Köln: Der Architektur der senegalesischen Hauptstadt Dakar und der Populärmusik Westafrikas.
Die Verschmelzung dieser Themen in seinen plakativen Acryl-Gemäldenaus dem Jahr 2009 entspricht den vielfältigen Korrespondenzen unter den Kulturen, zwischen denen sich der Malerhin- und herbewegt. In Dakar hat der 1963 geborene Franzose von 1991 bis 1995 gelebt, und bis heute pendelt er zwischen diesem 'Paris Afrikas' und dem Paris seiner Heimat. Beide Metropolen sind Schmelztiegel verschiedener Ethnien, die kulturelle Szene beider Städte wird von der Musik entscheidend mitgeprägt und das architektonische Erscheinungsbild Dakars ist stark beeinflusst durch die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Paris entwickelte Négritude-Bewegung, die die Entwicklung einer neoafrikanischen Kultur propagiert.
Paris ist zu dieser Zeit Treffpunkt der afrikanischen Intellektuellen, die, durch das französische
Bildungssystem von ihren kulturellen Wurzeln weitgehend entfremdet, eine Rückbesinnung auf ihr afrikanisches Erbe fordern. In Literatur, Politik und – angesichts einer großenAnalphabetenrate –besonders auch im Film wird das Ringen um eine zeitgenössische afrikanische Identität reflektiert.
Mit Erlangung der nationalen Souveränität Senegals um 1960 schwappt die Bewegungauch nach Dakar über und wird dort besonders in der Architektur zum Katalysatoreiner eigenen afrikanischen Formensprache, die vor allem in neueren administrativen Bauten ihren Ausdruck findet: Die plastische Gestaltung der Fassaden verleiht diesen maskenartige Züge, die traditionellen Muster von Stoffen dienen als Vorlage für die Ornamentik von Gebäuden.
 
Heute ist Dakar ein architektonisches Konglomerat aus kolonialistisch geprägten Bauten, Einflüssen aus Art Deco und Jugendstil, Versatzstücken überlieferter landestypischer Bauweise, Zitaten des französischen Klassizismus, Repliken alter afrikanischer Lehmhäuser oder islamischer Moscheenarchitektur.
Die koloniale Vergangenheit Dakars, vielerorts in der Stadt noch erkennbar,verschwindet zusehends und muss Neubauten weichen, entweder zugewuchert vom nicht mehr kontrollierbaren Wildwuchs der urbanen Entwicklung, oder getilgt von den halbherzigen stadtplanerischen Bemühungen, diesem entgegen zu treten. Spekulation und das Nichteingreifen der Verwaltung stehen im Kontrast zu den überdimensionierten öffentlichen Bauten, die wie vergebliche Muskelspiele des Staates wirken: Großzügige Alleen und sternförmige Plätze nach französischemVorbild sollen seine Macht und Kontrolle repräsentieren. Doch diese europäischen Stadtmodelle wie z. B. das, bereits 1999 vom Göttinger Architekten Jochen Brandi initiierte, ambitionierte Stadtplanungsprojekt «Projekt Dakar2030» haben wenig mit der tatsächlichen wirtschaftlichen und sozialen Situationzu tun. Das jüngste ehrgeizige Vorhaben, die Realisierung des futuristischen'Tour Khaddafi', des ersten 'Solar-Wolkenkratzers' der Welt, bezeugt denWunsch, aus Dakar ein Dubai West- und Zentralafrikas zu kreieren, und das Interesse am Erhalt der bestehenden Gebäude schwindet.
Auch ein anderes Erbe ist vom Verschwinden bedroht: das der westafrikanischen Musik, dieElemente aus Jazz, Mambo, Samba etc. vereint und der eine hohe Integrationskraft zukommt. Das Nachtleben Dakars findet hauptsächlich in Musikclubs statt, und auch tagsüber ist in der Stadt der vom Sänger YoussouN’Dour begründete 'Mbalax' allgegenwärtig, der traditionelle senegalesische mit afro-kubanischen Elementen verbindet.
VincentMichéa besitzt eine umfangreiche Plattenkollektion mit Veröffentlichungenverschiedenster Musikrichtungen des Kontinents seit 1945, aus deren Fundus er auch gestalterische Versatzstücke schöpft. In seinen jüngsten, in der Ausstellung gezeigten Arbeiten verknüpft er eine Hommage an die Architektur Dakars mit der an die Musik.
Oszillierend zwischen Fanpostern von Popidolen, Plattencovers und propagandistischen Plakaten zitieren die Bilder Michéas unterschiedliche Stilmittel und schaffen eine vielschichtige Synthese aus Film, Musik und Architektur: Ihre kontrastreiche Ästhetik verweist auf die krassen Gegensätze, die den Alltag Dakars bestimmen und scheint diese gleichzeitig schablonenhaft zu bereinigen. Rastertechnik dient als Verweis auf die der Massenproduktion entspringenden Bildquellen, die der Künstler zunächst abfotografiert, dann digital bearbeitet und in Umrissen auf die Leinwand druckt, bevor der Malprozess beginnt. Die plakative Wirkung verdankt sich einer Reduktion der Palette auf wenige Farben und der Zurücknahme der Tiefendimension wie auf mittelalterlichen Ikonen. Starke Schattenwürfe vermitteln die gleißende Hitze in der Stadt auf der vulkanischen Halbinsel CapVert, hinter allem strahlt der intensiv blaue Hintergrund des wolkenlosensüdlichen Himmels als Bluescreen, auf die die Architektur projiziert wird.
 
Die Serie 'Dakar, Zone B' von Bildern im Format von 100 x 100 cm, das mit den Proportionen einer Plattenhülle korrespondiert, ist eine Hommage an die 'B-Seite' der Stadt und deren Hinterhöfe als Stätten der Produktion und Rezeption von Musik und als Orte, an denen der banale und oft entbehrungsreiche Alltag jenseits der Schauseite Dakars sich zur Bühne für Starkult wandelt: Imimmer gleichen, beiläufigen Setting eines Hinterhofs werden als 'Bild im Bild'verschiedene Musikalben populärer Bands präsentiert. Eine karge Treppe wird zumSockel, z.B. für 'Star Number One' von 'Jangaake' oder für 'Xalis', ein Album von 'Ètoile de Dakar'. Der Stern des 'Stars Dakar' leuchtet auch in anderen Arbeiten über den Gebäuden, die wie die Konterfeis der UFA-Stars der 30er und 40er Jahre auf Filmplakaten oder der Parteihelden auf politischen Affichen in leichter Untersicht in Szene gesetzt werden.
Michéas schematisierende Malweise wirkt überhöhend und distanzierend, doch wird diese Distanzierung mittels der Perspektivegelegentlich aufgehoben: So verschmilzt der Betrachter mit der durch grobe Rasterung anonymisierten Rückensilhouette einer Figur auf einem der Gemälde.
Er teilt deren nostalgischen Blick auf eine den Zeiten scheinbar enthobene Stadtkulisse,und trotz des standardisierten Panoramas vertraut er der 'High Fidelity', der getreuen Wiedergabequalität des Zeugen Vincent Michéa.
 
 
Birgit Laskowski

 

english text
Vincent Michéa  In his second soloexhibition in Cologne the French artist Vincent Michéa renders homage to his two passions: to the architecture of the Senegalese capital Dakar and thepopular music of West Africa.
The painter ranges betweenthe several correspondences of cultures; the fusion of these themes isaccentuated in his striking acrylic paintings.
The Frenchman (born 1963) lived in Dakar from 1991until 1995 and to this day he commutes between the 'Paris of Africa' and Paris inhis home country. Both metropolises are melting pots of different ethnicgroups; music has a large impact on the cultural scene of both cities. Finallythe architectural appearance of Dakar is strongly influenced by theNégritude-movement which arose in Paris in the first half of the 20thcentury and which propagated the development of a Neoafrican culture. At thattime Paris is meeting point for African intellectuals who, widely alienatedfrom their cultural roots through the French educational system, demand areturn to their African heritage.
The struggle for a contemporary African identity isreflected in literature, politics and – due to a high illiteracy rate –especially in film.
When Senegal obtained sovereignty in 1960 the movementalso reached Dakar. It emerged as a catalyst of a specific African style inparticular in architecture, mainly embodied in administrative buildings: thethree-dimensional design of facades gives those edifices features of masks;traditional patterns of garments sample the ornaments of buildings.
 
Today Dakar is an architectural conglomeration ofcolonially styled buildings, influences from Art Deco and Art Nouveau, elementsof traditional, customary construction methods, references to Frenchclassicism, replicas of African wattle and daub houses or Islamic mosquearchitecture.
The colonial past of Dakar, recognizable in manyplaces of the city, disappears noticeably and has to give way to new buildings,rather blocked by the uncontrolled mushrooming of the urban development orerased by the half-hearted, ineffectual city planning. Speculations and theinaction of the administration stand in contrast to the over dimensioned publicbuildings that seem to be a futile flexing of muscles of the state: broadavenues and star shaped squares based on French models are supposed torepresent the state's power and control. But these European city models - asfor instance the ambitious city project «Project Dakar 2030» initiated by theGerman architect Jochen Brandi - have little relation to the actual economicand social situation. The latest ambitious enterprise, the building of thefuturistic 'Tour Khaddafi', the first 'Solar-Skyscraper' worldwide, is firmevidence for the aspiration to turn Dakar to a Dubai of West and Central Africa.The interest in the preservation of existing buildings dwindles.
 
Another heritage is also threatened to disappear: WestAfrican music, which combines elements from Jazz, Mambo, Samba etc., having ahighly integrative appeal. The nightlife of Dakar mainly takes places in musicclubs. In the daytime the 'Mbalax', founded by Youssou N’Dour, that combinestraditional Senegalese and Afro-Cuban elements, is also ubiquitous in the city.
Vincent Michéa owns an extensive record collectionthat includes releases of the continent's various musical genres since 1945.This collection serves as a source of creative inspiration for the artist.
Michéa links homage to the architecture of Dakar tothat of the music in his latest works shown in the exhibition.
Oscillating between fan posters of pop idols, recordcovers and propaganda posters Michéa's paintings quote different stylisticmeans and create a complex synthesis of film, music and architecture:
its high-contrast aesthetic refers to the sharpcontradictions that everyday life in Dakar is marked by and at the same itseems to purge it cut and dried. Raster graphics serve as a reference topictorial sources that emanate from mass production. The artist firstlyphotographs them, and afterwards he edits them digitally and prints theiroutlines on canvas before starting the process of painting.
The striking effect is due to a reduction of thepalette to just a few colours and the diminishing of the three-dimensionality as in medieval icons. Distinctshadows convey the impression of searing heat in the city on the volcanicpeninsula Cap Vert. Onto the intensive blue background of the cloudlesssouthern sky which gleams like a kind of blue screen, the architecture isprojected.
 
The paintings of the series 'Dakar, Zone B' in theformat 100 x 100 cm, that corresponds to the size of a record sleeve, payhomage to the 'B-side' of the city and its backyards as places of productionand reception of music. Here banal everyday life, which is often full ofprivation and beyond Dakar's right side, turns to a stage for star cult: in thealways same, casual setting of a backyard different music albums of popularbands are presented as 'an image inan image'. A bare staircase becomes apedestal for 'Star Number One' by 'Jangaake' or 'Xalis', an album by 'Ètoile deDakar'. The star of 'Stars Dakar' is shining in other works above buildings,too – comparable to the staging of portraits of the UFA-stars of the 30ies and40ies on billboards or political heroes on election posters that keep showingthem from below.
Michéa's schematic drawing style is hyperbolizing anddistancing but still the alienation is compensated occasionally by means ofperspective: the beholder is merged with the anonymous and coarsely screenedback silhouette of a figure on one of the paintings. The beholder shares thenostalgic view on the panorama of the city, which seems to be displaced fromtime, and despite the standardised panorama he trusts the „High Fidelity“, theaccurate reproduction quality of the witness Vincent Michéa.
 
 
Birgit Laskowski
 
 
 
Timo Behn, Christian Berg, Kerstin Fischer


Timo Behn, Christian Berg, Kerstin Fischer
Eröffnung | Opening: Mittwoch, 22. April 2009, 18 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 23. April bis 06. Juni 2009
Ausstellungstext
Timo Behn (*1973) ist seit 2007 Meisterschüler von Ottmar Hörl an der Nürnberger Kunstakademie und lebt und arbeitet in Berlin. Zu seiner seit 2007 entstandenen Werkgruppe der 'NEONEO-Paintings' – eine Begriffsfindung, die auf die Neo-Geo-Bewegung der 80er Jahre, aber ebenso auf die Verwendung von grellen Neonfarben anspielt – gehört auch das in der Ausstellung gezeigte Bild (Öl, Lack auf Leinwand, 280 x 195 cm, 2009).
Im Gegensatz zu den gegenständlichen Themen in der Serie 'Funny-Paintings' arbeitet Timo Behn bei den 'NEONEO-Paintings' abstrakt. Die Komposition setzt sich ausnahmslos aus eckigen geometrischen Grundformen zusammen, die jeweils zur Gänze durch eine Farbe definiert sind. Nicht immer ist die Leinwand durch das Sujet nahtlos bedeckt – oft bleiben weiße Areale frei, um als paradoxes Indiz eines Informationsüberschusses zu agieren. Dort, wo zwei Felder aneinander stoßen, hat der Künstler teilweise die Kanten durch eine Konturlinie in einer dritten Farbe betont. Durch diese Hervorhebung des Linearen wird eine konstruktivistische, architektonische Tendenz in den Arbeiten erzielt. Vielfach überlagern sich die Farbformen; diese Überschneidungen bleiben manchmal transparent, an anderer Stelle kommt es zu deckenden Schichtungen. Auch die beiden Werkstoffe Lack und Acryl arbeiten in diesem Sinne. Sämtliche Exponate der Serie bestehen aus zwei gleich großen Leinwänden, die auf Stoß gehängt werden und so ein Tableau bilden, deren Strukturen partiell ihre Fortführung in der jeweils gegenüberliegenden Bildhälfte finden. Für Timo Behn ist diese radikale Zäsur in der Bildmittelachse die Fortführung einen Prinzips, das er bereits bei den 'Funny-Paintings' mit einem senkrechten Strich über die Bildfläche einführte. Er erreicht immer neue Varianten seiner Ausgangskomposition, indem er die Hälften dreht bzw. zwischen hoch- und querformatiger Hängung wechselt.
Im Widerspruch zur kontrollierten und strengen formalen Anlage stehen der Duktus des individuellen Farbauftrags und die visuelle Bewegung und Dynamik, die die Arbeiten ausstrahlen. Bedingt durch die perspektivische Wirkung von hellen und dunklen, kalten und warmen Farben, organisiert das Auge des Betrachters das formale Angebot zu virtuellen Raumfragmenten. Es kommt zu einem beständigen Kippen, Zurückweichen und Vorwärtsdrängen einzelner Teile. Nicht nur in seinem Arbeitsprozess, der ein erneutes Bearbeiten eines beendeten Werkes regulär beinhaltet, verweigert Timo Behn damit das endgültige Bild. Und auf diese Weise verhalten sich seine Bilder analog zu seiner Definition von Wirklichkeit: als simulierte Konstrukte, die sich fortwährend unserem Zugriff entziehen.

Christian Berg (*1972) lebt und arbeitet in Köln. Von 1993 bis 1998 absolvierte er ein Graphikdesignstudium. Seit Abschluss seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie (2000–2004) ist er Meisterschüler von Georg Herold.
Aus der schwarz-weißen, 250 Zentimeter hohen Betonplastik mit einem Durchmesser von ca. 17 cm ragen am oberen Ende Eisenstäbe heraus, mit denen die schräg an der Wand lehnende Arbeit Kontakt zum Galerieraum aufnimmt. Aufgrund ihrer Größe und des weiten Winkels, in dem sie ohne weitere Befestigungen an der Wand lehnt, erlebt der Betrachter sie als physisch sehr präsent, vielleicht sogar bedrohlich.
Der Künstler verwendet die Materialien Holz, Sandstein und Beton; der Beton wird von Beginn an in Schwarz-, Weiß- und Grautönen in der Masse gefärbt – damit ist Farbe keine additive Oberflächenqualität, sondern substantielle Materialeigenschaft. Seit 2006 experimentiert Berg mit einem eingegrenzten Repertoire an bunten Farben wie Rot, Grün und Gelb. Die lakonische Schlichtheit der matten, inhomogenen Betonoberflächen, ihre Rohheit und Archaik fördern den strengen abstrakten Grundcharakter der Werke, können aber auch ambivalent wahrgenommen werden, da die Assoziation an das Material als aus dem Alltag bekannter Baustoff wie eine unterschwellige Tonspur mitläuft. Innerhalb des Œuvres findet man zwei Gruppen von Arbeiten: Symmetrische Strukturen, die eine Grundform – häufig kubischer Natur – multiplizieren sowie die komplexeren bzw. geschlosseneren 'Architekturen', die wegen der Identifikation als gegenständliche Wand-Dach-Fenster-Kombinationen und durch das 'Baumaterial' Assoziationen an Gebäude, Bunker etc. aufkommen lassen. Andere Werke des Künstlers wiederum erinnern im ersten Moment an das urbane Arsenal von Brücken, Grenzen, Straßenmarkierungen, Pfosten etc. Diese Bedeutungsfelder werden angerissen und berührt, in der tatsächlichen Konsequenz der Arbeit aber wieder verlassen und verfremdet, um die grundsätzlich abstrakte Verfasstheit des Œuvres zu behaupten. Schließlich fällt auf, dass die Plastiken von Christian Berg unterschiedliche Positionen an ihrem Ausstellungsort beanspruchen: Einige stehen autonom mitten im Raum, andere sind an die Wand gelehnt bzw. berühren sie mit einer Kante und artikulieren darin auch so etwas wie eine Gerichtetheit. Die zur Stabilisierung verwendeten Armierungseisen formt der Künstler an ihrer Austrittsstelle und integriert sie so in das Gesamtkonzept, teilweise belässt er sie wie bei der ausgestellten Arbeit in ihrem Zustand. Damit provoziert er den Eindruck des Unabgeschlossenen; auch die Spannung zwischen individueller Ganzheit und Modulcharakter klingt hier an.

Kerstin Fischer (*1981) lebt und arbeitet in Köln. Sie studierte von 2000–2006 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Martin Gostner, Rita McBride und Jan Dibbets, dessen Meisterschülerin sie 2004 wurde. Das Werk von Kerstin Fischer, in dem sich Skulpturen, Objekte und Installationen ebenso finden wie Photographie, Zeichnung und Malerei, wirkt sehr klar, leicht, zart und verspielt, gleichzeitig reduziert und fast minimalistisch. In ihrer Herangehensweise legt die Künstlerin Wert auf eine möglichst konsequente Reduktion der bildnerischen Sprache auf elementare Formen. Ziel ist dabei, eine verbindliche Aussage über die Wirklichkeit zu leisten – oder auch die bestehenden 'Gesetze' zu kippen. Vermittelt die Künstlerin bei einem Teil ihrer Werke den Eindruck einer nahezu wissenschaftlichen Recherche, deren Ergebnisse in einem Mappenwerk festgehalten werden, trifft man an anderer Stelle etwa auf eine Arbeit aus drei bunten Luftballons oder auf zartfarbige, ephemere Aquarelle. Zur Klarheit der Form gesellt sich die Einfachheit der gewählten Materialien: Papier, Klebeband, Stoff etc. Ein durchgängiges Thema ist das Entwickeln von Strukturen, ihre Regelmäßigkeit sowie die geringfügigen, unauffälligen Abweichungen davon. Die Falte tritt als besondere Spielart dieser Auseinandersetzung auf. Sie ist Linie, in der sich zeitliche und räumliche Tiefe verbirgt.
Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Dimension und ästhetische Kraft der neuen Wandarbeit (ca. 280 x 370 cm) der Künstlerin, die aus mehreren Schichten Wandfarbe, Seidenmalfarbe, Acrylfarbe und Bleistift eigens für die Galerieräume geschaffen wurde. Dieses differenzierte und detailreiche Werk aus malerischen Segmenten, Ritzungen und Pastellfarben im Kontrast mit Schwarz fordert zu genauer Wahrnehmung heraus. Wie ein zeitgenössisches Palimpsest breitet sich auf der Wand eine Formation aus, die aus der Ebene des Malgrundes nach vorne und hinten treibt, teilweise den Putz durchbricht und bis zum Mauerwerk vordringt. Die Künstlerin baut die Arbeit schichtweise auf, um sie dann partiell wieder aufzureißen. Es gelingt ihr dabei, an die äußerste Grenze einer Räumlichkeit der Fläche zu gehen, ohne illusionistisch zu werden. Das Auge sucht das Spiel der Farb- und Spachtelschichten, der gezeichneten und gekratzten Linien miteinander, ihr Aneinander- und Übereinanderlagern zu ordnen und trifft immer wieder auf eine Komposition, die an jeder Stelle plausibel, überraschend und dicht ist.
 
Gabriele Wurzel
english text
Timo Behn (*1973) is a student of the master-class of Ottmar Hörl at the Academy of Fine Arts in Nuremberg since 2007 and lives and works in Berlin. Behn's painting shown in the exhibition (oil, varnish on canvas, 280 x 195 cm, 2009) belongs to his group of works called the 'Neo Neo Paintings', developed in 2007. The term alludes to the Neo-Geo-movement of the 80ies but also to the application of glaring fluorescent colours.
In contrast to the representational subject-matter of the series 'Funny Paintings' Timo Behn's works of the 'NeoNeo Paintings' are abstract. The composition is made up of invariably squared geometric basic forms which are in each case defined by only one color. The canvas is not always seamlessly covered by the subject – in some places white areas remain just to function as a paradox indication of information excess. The artist partially accentuated the edges where two colours converge by using a third color as a contour. By emphasizing the linear aspect, the works attain a constructivist, architectural bias. In many cases the color fields overlap each other; sometimes these intersections remain transparent, opaque layers appear elsewhere.
The two substances such as varnish and acrylic paint function accordingly. All the series' exhibits consist of two canvasses of the same size that are hanged edge to edge. Thereby they form a tableau, its structures are partly resumed in the opposed half of the picture respectively. For Timo Behn this radical caesura in the axis of the painting is a continuation of a principle that he already introduced to the 'Funny Paintings' with a vertical line across the surface.
He always creates new varieties of his initial composition by turning the canvas halves or rather by switching between vertical and horizontal formats. Inconsistent with the controlled and austere formal arrangement is the flow of the individual color application and the visual movement and dynamic which emanates from the works. Due to the perspective effect of bright and dark, cold and warm colours, the viewer's eye organizes the formal proposition obtaining virtual fragments of space. As a result a constant tilting, shying backwards, pressing forward of single parts evolves.
Not only through his working process, that comprises an anew adaptation of a finished work, does Timo Behn therefore reject the ultimate image. Thus his paintings function according to his definition of reality: as simulated constructs that continuously deny access.

Christian Berg (*1972) lives and works in Cologne, Germany. He studied graphic design from 1993 till 1998. Since his graduation at the Academy of Fine Arts in Düsseldorf (2000-2004) he is master student in the class of Georg Herold.
His black and white, 250 centimeters high concrete sculpture with a diameter of approx. 17 centimeters has iron bars which jut out from the top. These bars connect the work, which leans against the wall, with the gallery space. Due to its size and the wide angle in which the sculpture rests against the wall without any fixing, the viewer perceives it as physically highly present, maybe even menacing.
The artist's basic materials are wood, sandstone and concrete; the concrete is stained in shades of black, white or grey right from the beginning – therewith the color is no additive quality of the surface but rather a substantial material property. Berg experiments with a limited repertoire of variegated colours such as red, green and yellow since 2006.
The laconic simplicity of the matte, inhomogeneous concrete surface, its crudeness
and archaism bring forward the abstract elementary character of the works. But they can also be perceived ambiguously as the association of construction material known from everyday life is latent like a subliminal soundtrack. The oeuvre consists of two groups of works: symmetrical structures which multiply a basic form – frequently cubical – as well as the more complex or rather closed 'architecture' that due to its identification as representational
wall-window-combinations and its 'construction material' convey associations of buildings, bunkers etc. And yet other works by the artist remind the viewer of the urban arsenal of bridges, borders, road markings, posts etc. These semantic fields are broached and touched on, but as a last consequence they are left behind and alienated again in order to assert the basic abstract state of the oeuvre. What is finally striking about Christian Berg's sculptures is that they take up different positions in the exhibition space: some stand in the middle of the room autonomously, others lean against the wall or rather touch the wall with an edge and therein articulate a kind of alignment. The armoring iron which is used to stabilize is formed by the artist at its emersion point. Berg thereby integrates it into the overall plan; he partially leaves it in its original condition just as the exhibited work. Thus Christian Berg provokes the impression of 'incompleteness';
the tension between individual entireness and modular character is also suggested.

Kerstin Fischer (*1981) lives and works in Cologne. She studied at the Academy of Fine Arts in Düsseldorf under Martin Gostner, Rita McBride and Jan Dibbets from 2000 till 2006. She became a master student of the latter in 2004.
The works by Kerstin Fischer that comprise sculptures, objects and installations as well as photography, drawing and painting appear to be very lucid, light, delicate and playful but at the same time they are reduced and almost minimalist. In her approach the artist puts emphasis on a consistent reduction of the visual language to elemental forms. The aim is to provide a binding statement concerning reality – or to 'overturn' existing laws, too.
While the artist conveys the impression of a nearly scientific research among some of her works (results are written down in a portfolio), the viewer also finds a work made of three balloons or delicately colored and ephemeral watercolours elsewhere. The lucidity of the form is joined by the simplicity of the opted materials: paper, adhesive tape, fabric etc. A general theme is the development of structures, their regularity as well as the insignificant deviation from them.
The fold occurs as a special variation of this examination. It is the line in which temporal and spatial profoundness is hidden. In this context the dimension and aesthetic impact of the new wall painting by the artist is unfolded (approx. 280 x 370 cm). It was drafted with several layers of wall paint, silk and acrylic paint as well as pencil and it was specially created for the gallery space. This sophisticated and detailed work composed of painterly segments, scratching and pastel colours in contrast to black challenge the viewer's attentive perception. Like a kind of contemporary palimpsest a formation spreads across the wall, drifting from the plane of the painting background back and forth, partly breaking through the plaster and expanding into the brickwork.
The artist sets up the work in layers just to rip it open again partially. She succeeds in reaching an outermost boundary of a spatiality of the surface without getting illusionist. The eye searches the play of colours and layers of filling, of the sketched and scratched lines, tries to arrange their adjacency and overlay and does always encounter a new composition which is throughout plausible, surprising and dense.

Gabriele Wurzel
FROST


Andrew Frost

RECOUP

Eröffnung | Opening: Freitag, 06. März 2009, 19 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 07. März bis 11. April 2009
Ausstellungstext
Andrew Frost (*1968) absolvierte von 1986–1989 das Queensland College of Art in Brisbane, Australien, welches er mit dem Bachelor of Fine Arts abschloss. Anschließend erwarb er 1999 ein Graduiertendiplom in Bildender Kunst am Victorian College of Art. Der Künstler ist gebürtiger Australier und lebt und arbeitet seit 2008 in Berlin.

Vom 05. März bis zum 11. April 2009 zeigt Sebastian Brandl drei groß- und vier mittelformatige Arbeiten in der Technik mixed media auf Papier, montiert auf MDF-Platten sowie eine Auswahl von Zeichnungen aus den Jahren 2003-2006.

Als grundsätzliche Maxime für Andrew Frosts gegenwärtiges Schaffen lässt sich das folgende Statement zitieren: “With works from 2000–2007 I have removed the notion of a 'finished' work from my art practice.“ Der Künstler arbeitet meist parallel an mehreren Werken, die er über einen Zeitraum von einigen Jahren wiederholt bearbeitet. Einzelne Motive und Strukturen tauchen identisch oder in variierter Form wieder auf und verzahnen so die Arbeiten zu einer Art Gesamtgewebe untereinander. Ein weiteres Merkmal ist das Arbeiten in Schichten, die als solche auch sichtbar bleiben – eine Technik, die zum einen konkret mit dem wiederholten Bearbeiten des Bildgrundes zusammenhängt, zum anderen eine abstrakte Bedeutung trägt, als sie auf eine Tiefendimension sowohl in zeitlicher als auch inhaltlicher Hinsicht verweist und nicht zuletzt mit den verborgenen Prozessen von Gehirn, Gedächtnis und Unbewusstem korrespondiert. Frost entwickelt seine Kompositionen zunächst auf großen Papierbögen, zerschneidet diese zu A-4-formatigen Blättern und klebt sie in neuer oder alter Reihenfolge auf einem Untergrund aus Papier auf. Nicht nur dadurch, dass er keine auf Keilrahmen aufgespannten Leinwände benutzt, nimmt man sein Œuvre weniger als Malerei im klassischen Sinne wahr, sondern eher als Makrozeichnungen – es sind auch die skizzenhafte, vorläufige Charakter, die konturenbetonte Anlage der Figuren, das häufige Einfügen von handschriftlichen Texten. Immer wieder hat man den Eindruck eines Schriftsteller-Zeichners, der die heterogenen Elemente seiner visuellen und politischen Umwelt zu kühlen und wuchernden, von anthrazitfarbener Tonalität dominierten Collagen zusammenfügt, wie etwa in 'Sex, Violence and This Ragged Remnant of Empire' 2008, 150 x 185 cm.

Mit den aktuellen Werken markiert der Künstler einen neuen Abschnitt innerhalb seines Gesamtwerks: Im Herbst 2008 verlässt er seinen Heimatkontinent, der ihm nicht mehr die nötige Freiheit und Atmosphäre zum Arbeiten bietet und geht nach Berlin: “Living in Berlin enables me to have a voice that was taken from me in Australia.“ Verkörperung für den Übergang vom einen Zustand in den anderen ist 'The Rapture Process (Recoup)', 2008/09, 150 x 200 cm. Der Begriff 'Recoup', der auch die gesamte Ausstellung betitelt, liefert einen wichtigen Schlüssel für die Bedeutung des Bildes als auch des Ortswechsels für den Künstler und bedeutet soviel wie einen Verlust wiedereinzubringen, für etwas entschädigt zu werden.
Zwei Holzböcke befinden sich im Zentrum, der eine wie in einer Paarung in den anderen verkeilt, einem dreidimensionalen 'Papierfell' und einem Totenkopf als Haupt versehen. Als einziger Farbakzent läuft eine Art Energielinie in Orange von einer Bildecke zur anderen. Das Motiv des Totenschädels taucht in dieser Werkreihe aus bisher vier Arbeiten wiederholt auf, ebenso ist es im Titel 'The Natural World (Ossuary)' enthalten (ossuary = Beinhaus).
Auch der Holzbock zieht sich wie ein Schlüsselsymbol durch die Werke und wirkt als Variable für eine Kreuzung aus Mensch, Tier und dinglicher Realität, als Signet statisch gewordener Bewegung. Aus der Reihe tritt prägnant 'The Subjugation Waltz (Sometimes I Like the Working Classes)', 2008/09, hervor, mit seinem starken Kontrast zwischen Mintgrün und Pink und den an den Bildkanten angebrachten weißen Federboas. Trotz der ironischen Impulse und der Verwendung von banalen Texten wie auf dem Bild mit dem Bambimotiv spürt man vor allem in der Titelgebung, dass es um grundsätzliche Aspekte der menschlichen Existenz von teilweise fast biblischer Schwere geht. Den Spiegel der gesellschaftlichen Kritik kann man ebenso nach innen drehen – durch seinen Schaffensprozess verleiht der Künstler den inneren Dämonen Gestalt und löst sich damit von ihnen ab.

Für seine Zeichnungen verwendet Andrew Frost gebrauchte DIN-A-4-Blätter, die neben den typischen Alterungsspuren (Vergilbung, Einrisse) teilweise auch Notizen der früheren Besitzer enthalten. Hand- und maschinenschriftliches wird mit Skizzen in Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift, Tinte etc., Photographien und kleinen gemalten bzw. aufgeklebten Segmenten kombiniert. Von zurückhaltender Farbigkeit, tastend, fragil und zart, wirken diese Arbeiten aus den Jahren 2003–2006 fast wie intime Tagebuchaufzeichnungen.

Nicht zuletzt zeigt sich hier exemplarisch im Detail, was auch für die komplexen Formate gilt: das Entwickeln der Themen und Kompositionen in einem work in progress, der wie ein tektonisches Geschiebe zwischen sozio-politischer und individueller Fragestellung hin- und heroszilliert.

Gabriele Wurzel
english text
Andrew Frost (*1968) completed his studies (1986-1989) at the Queensland College of Art, Brisbane, Australia with a Bachelor of Fine Arts. In 1999 he was awarded a graduate degree of fine arts at the Victorian College of Art. Born in Australia, the artist has been living and working in Berlin since 2008.

From March 5th until April 11th 2009 Sebastian Brandl will be exhibiting three large-sized and four mid-sized works, mixed media on paper, attached to MDFs as well as a selection of drawings done between 2003 and 2006.

The maxim of Andrew Frosts current work is best illustrated by his own words stating: “With works from 2000–2007 I have removed the notion of a 'finished' work from my art practice.“
Usually he works simultaneously on a couple of creations editing them repeatedly over a period of several years. Particular motifs or structures are recurring in the same or a different form, thus interlinking single works to a complete and comprehensive texture. Another feature is to be found in working with layers which remain visible themselves – a method that on the one hand is directly linked to the constant reworking of the pictorial ground, on the other hand it conveys an abstract meaning referring to a depth dimension concerning time as well as content, and finally it corresponds to inner processes of brain, memory, and the unconscious. Frost starts developing his compositions on large sheets of paper, cuts them up into DIN A4-sized sheets, and glues them on a paper ground, keeping or changing the initial order. It´s not only due to the fact that he doesn´t work with canvas mounted on to a stretcher that you don´t experience his Œuvre as paintings in the traditional sense so much, but rather as macro-drawings – but it´s also the scetchy, provisional character, the creation of figures with accentuated outlines, the frequent insertion of handwritten texts. Again and again you´ll get the impression of a writer-painter who conflates the heterogeneous elements of his visual and political environment to cool and rampant collages, dominated by an anthracite grey tonality, for example illustrated by 'Sex, Violence and This Ragged Remnant of Empire' 2008, 150 x 185 cm.

With his current works the artist marks a new chapter within his Œuvre: In autumn 2008 he left his home continent because it was neither giving him enough freedom nor the right working atmosphere anymore, and went to Berlin: “Living in Berlin enables me to have a voice that was taken from me in Australia.“ This transition from one condition into another is represented by 'The Rapture Process (Recoup)', 2008/09, 150 x 200 cm. The term 'Recoup' - giving this exhibition its name – also plays a key role for interpreting the meaning of the drawing as well as the location change for the artist. In this context it stands for recouping a loss, to be paid a kind of compensation.
There are two blocks of woods in the centre, wedged together like they were copulating, furnished with a three-dimensional 'paperfur' and a skull for a head. The only colour accent is set by a kind of amber energy-line crossing the drawing. The skull motif is repeated several times in this serial, currently consisting of four works. You will also find it in a title 'The Natural World (Ossuary)' (ossuary = receptacle for the bones of the dead). The wooden block as a key-symbol is a recurrent theme, too, and functions as a variable for a cross of human being, animal and physical reality, as a sign of motion that had become static. Within this serial, 'The Subjugation Waltz (Sometimes I Like the Working Classes)' (2008/09) stands out strikingly with its strong contrast of mint green and pink, with white feather boas attached to the edges. Despite of all ironic impulses and the usage of banal texts - to be seen in the Bambi-themed drawing, for example – things like the display titles let you feel that there are touched some fundamental aspects of human existence, almost of biblical gravity. But you can also turn the mirror of social criticism around – by means of the creative process the artist gets his inner demons into shape and separates himself from them.

Andrew Frost uses used DIN A4 sheets for his drawings which not only show typical marks of ageing (yellowed and torn), but also may  contain notes of their former owners. Hand- and machine-written parts are combined with sketches done with pencils, pens, markers, ink, etc., with photographs and little drawn or glued on segments. These works done between 2003 and 2006 are of a chary colouring, fragile and delicate, almost like intimate diary notes.

These details are also exemplary for the complex formats: it is about the development of themes and compositions in a work in progress, oscillating – similar to a tectonic till blending – between socio-political and individual questions.

Gabriele Wurzel
GOTT RIDER
Leif Erich Christensen

GOTT RIDER

UND WIE SCHÖN IST DEINE JUNGGESELLENMASCHINE?
/KISS AM HARD/SISTER J. + - MEISTER ECKHART/
Eröffnung | Opening: Freitag, 16. Januar 2009, 19 Uhr
Ausstellung | Exhibition: 17. Januar bis 28. Februar 2009

Leider konnte aufgrund einer Erkrankung des Künstlers Leif Erich Christensen die geplante Arbeit 'GOTT RIDER' nicht realisiert werden. Stattdessen wird die Videoarbeit 'GOD GAME' (2009) präsentiert, die im Kontext der vorgesehenen Rauminstallation entstanden ist. | Due to the illness of the artist Leif Erich Christensen the planned work 'GOTT RIDER' unfortunately could not be realised. Instead the video work 'GOD GAME' will be presented, which was created in the context of the planned sculptural environment.
Leif Erich Christensen (*1961 in Hamburg) arbeitet mit Skulptur, Sound/Musik, Installation, Performance, Video, Digitalimages, Text und Zeichnung. In seinen Werken, die konzeptuell und methodisch von einer eklektischen Radikalität durchzogen sind, transformiert er alltägliche Objekte der bürgerlichen Gesellschaft in eine transformatorische Zone.

Dabei geben seine Arbeiten einerseits fremd codierte Kontexte bis hin zu einem gewissen Surrealismus wieder, andererseits werfen sie Fragen der Zugehörigkeit und Identität gegenüber den großen Themen von Krieg/Gewalt, Sexualität/Lust und Religion/Ethik auf.

Zur Fertigung seiner Arbeiten nutzt der Künstler eine Kombination von Readymades aus bürgerlichem Wertekanon und deren auswuchernden Assoziationsfeldern, vorgefertigtem rohem Material und selbst Hergestelltem, die vermischt mit trivialen Materialien in einen Diskurs zwischen Realität und Fiktion unterworfen, in transformatorischen Werken mündet.
So spricht Christensen von Kunstwerken, mit eigener transformatorischer Funktion und Eigenschaften, entgegengesetzt der Kunst der Repräsentation.

Die zwölfminütige Videoarbeit GOD GAME (2009) steht exemplarisch für diese Arbeitsweise.



Der Stellvertreter im reflektierenden  Auge
GOD GAME

blow by blow/ 2133
(institute an entire economy of violence)
(making violence durable even unlimited)
GOD GAME implies a slow vector____ that becomes a free independent variable_____
(free action is also a machine cause, but one which has no resistance to overcome, operates only upon the mobile body itself, is not consumed in its effect and continuous from one moment to the next.
In free action, what counts is the way in which the elements of the body escape gravitation to occupy absolutely a non-punctuated space.

Copy: as „The Jesuve“. Among other fragmentary notes connected with „The Pineal Eye“
Found among Bataille`s papers, there is this one (II, 418):
All plants of earth are raised to the sky, and they continuously throw myriads of brilliant multicoloured jets of spittle at the sun, in the form of flowers, and there is only an obscene Van Gogh, surrounded by madmen, to throw at this same sun the phallic spit of his eyes.
The other human creatures miserably drag themselves around like giant impotent and correct phalluses, their eyes riveted on soporific surroundings.
It is necessary to break oneself in pieces and feel in one`s body the madness of a contorionost; at the same time one must become a fetishist to the point of slaverying, a fetishist of the eye, of the buttocks and of the feet, all at once, in order to find again in oneself what miserably miscarried at the beginning of the constitution of the human body.