Exhibition view LIGHT AND FLEXIBLE

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Christian Berg – LIGHT AND FLEXIBLE

Opening Friday, 30 March 2012, 19 h
Exhibition 31 March – 19 May 2012

Man kann den neuen bildhauerischen Arbeiten von Christian Berg, die zusammen mit einigen wenig älteren, in seiner nunmehr zweiten Einzelausstellung in der Galerie Sebastian Brandl zu sehen sind, nicht unbedingt bescheinigen ‚leicht und flexibel’ zu erscheinen. Das Material nämlich, welches Christian Berg für seine Skulpturen mit architektonischen oder tektonischen Elementen verwendet ist der gegossene Beton. Die auf sich selbst konzentrierten, asketisch reduzierten Werke gestatten dem Betrachter nur eine langsame Annäherung und lassen als allgemeines Charakteristikum eine sprachliche Ohnmacht entstehen. Obwohl die bildnerischen Mittel klar zu erfassen sind, bewirkt die Summe aller Eigenschaften fast ein Verstummen der Sprache. Zwar gilt Beton in seiner Bewertung als Baustoff der Industriegesellschaft, doch besteht er letztlich aus Naturstoffen, aus Sand geschreddertem Stein und Wasser, in die er auf lange Sicht auch wieder zerfallen wird. Bei einigen der präsentierten Arbeiten kann man nun den Eindruck gewinnen, als habe eben dieser Verfallsprozess bereits begonnen oder sei durch äußere Krafteinwirkungen zumindest auf den Weg gebracht worden. Dies gilt vor allem für das zentrale Skulpturenensemble aus gebrochenen oder zerborstenen Stelen.

Der Raum der Galerie wird dabei sehr bewusst als Ort der Präsentation in die Konzeption einbezogen, indem die durchgehende Längswand einen anthrazitfarbenen, mattschwarzen Anstrich erhält und somit als Folie fungiert, vor dem die skulpturalen Setzungen von Christian Berg betont zur Geltung kommen. Ausgespart sind lediglich zwei durchgehenden Streifen, jeweils gegenüber den tragenden Pfeilern, wodurch die Wandfläche in drei Segmente unterteilt wird. Im mittleren Abschnitt ist ein Stelenensemble arrangiert, welches aus drei Modulen besteht, die sich gegenseitig bedingen. Zwar wird die architektonische Anbindung der Arbeiten unmissverständlich aus ihrer rekonstruierbaren Form ersichtlich, gleichwohl ist sie durch eine hohe Fragilität gekennzeichnet. So lehnt eine mehrfach abgeknickte Stele gegen die Wand, liefert ihrerseits jedoch den Halt für die jeweils angefügten Stücke, die mit ihrer streckenweise freigelegten und verbogenen Stahlarmierung einen fortgeschrittenen ruinösen Eindruck erwecken. Unvermittelt stellt sich die Frage ein, ob die im Titel der Ausstellung angesprochene Leichtigkeit und Flexibilität sich auf dieses Ensemble beziehen lässt oder ob nicht vielmehr etwas Leichteres an eben diesen Betonstelen einen noch weitaus größeren Schaden davongetragen haben könnte. Auf Umwegen schleicht sich somit in das zunächst spröde und abweisende Arrangement eine deutungsoffene, erzählerische Komponente ein.

Dies gilt auch für die weiteren Arbeiten der Ausstellung, wie etwa die, auf einem Sandhaufen postierte, aufragende und im oberen Teil abgewinkelte, verjüngende Skulptur oder für das an der Wand über Kopfhöhe angebrachte, zerborstene Stelenfragment mit dem Titel ‚Phoibe’. Auf einem tischartigen Sockel sind zusätzlich drei kleinere, kantige, zum Teil farblich getränkte Betonstücke präsentiert. In der Summe ergibt sich auf formalästhetischer Ebene ein spannungsvoller Kontrast von durch Material und Blockform hervorgerufener Stabilität bzw. Dauerhaftigkeit und einem heterogenen, in vielerlei Farb- und Formnuancen changierenden Oberflächeneindruck, der beinahe malerische Qualitäten erreicht. Die Reduktion der Form und die Eigenschaften des Materials öffnen ein bemerkenswertes Spektrum von Assoziationen und Erinnerungen, die einen breiten erzählerischen Charakter besitzen obwohl oder vielleicht auch gerade weil gelegentlich die Worte als Angriff auf Sachverhalte, Dinge oder Beziehungen angesehen werden können, die mit oder ohne Vorsatz Schaden anzurichten vermögen. Christian Bergs Skulpturen stellen den Gebrauch der Worte unter einen grundsätzlichen Vorbehalt und stellen auf ihre je eigene Weise die Frage nach dem Wesen von Veränderung. Sie nehmen nicht einfach ihren Ort in der Welt ein. Sie sind nicht einfach in bestimmten Umgebungen situiert und lokalisiert. Vielmehr werden Umgebungen und Skulpturen intraaktiv gemeinsam konstituiert, sie sind integrale Bestandteile oder dynamische Rekonfigurationen dessen, was existiert.

Harald Uhr

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